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Dienstag, 02. Mai 2017, ab 06.35 Uhr im NDR

Wer in Ostfriesland aufwächst, der braucht die Weite, den Himmel, das Meer und die

anderen Ostfriesen. Sie reden zwar nicht viel, aber wenn sie etwas sagen, dann meinen sie es auch so. So zum Beispiel der legendäre und unvergessene Tamme Hanken. Er merkte früh, dass er ein Talent im Umgang mit Tieren hat und dass er einmal einen alten ostfriesischen Beruf ausüben will: Knochenbrecher.  

Von seinem Opa hatte er sich das Wissen abgeschaut und seinen ostfriesischen Humor. Alles, was mit Tieren zu tun hatte, lernte Tamme schnell, alles andere, wie Schule beispielsweise, interessierte ihn nicht. Lieber saß er draußen in der Natur und träumte vor sich hin. Auch andere Ostfriesenkinder mussten früh mit anpacken, ob im Moor beim Torfstechen oder in der Landwirtschaft. Früh aufstehen und Kühe melken war nicht immer ein Vergnügen. "Manchmal bin ich an der warmen Kuh wieder eingeschlafen, mit den Händen im Milcheimer", erzählt Gisbert Wiltfang. Er ist in den 1940er-Jahren auf einem Hof direkt hinterm Deich aufgewachsen. Held seiner Kindheit war der damalige Oberdeichrichter der Gemeinde Krummhörn. Mit ihm machte er oft Kontrollgänge am Deich. Denn jedes Ostfriesenkind weiß, wenn der nicht standhält, holt sich das Meer einen Großteil des Landes zurück. Wie Robinson auf einer einsamen Insel lebte Familie Pundt auf der sonst unbewohnten Vogelinsel Memmert, die zwischen Juist und Borkum liegt. Vater Pundt war dort Inselvogt. Und Hardy, das jüngste Kind, erinnert sich, dass er seinen Vater oft beim Strandhaferanpflanzen und beim Beobachten der Vögel begleitet hat. Nur wenn die Glühbirne im Leuchtturm ausgewechselt werden musste, war Hardy keine große Hilfe: "Man ist ja Ostfriese, und auf den hohen Turm hab' ich mich einfach nicht getraut, da musste mein Vater mich tragen." Eske Nannen erinnert sich an die Nachkriegszeit in Emden und an ihren Vater, der die Fässer für die Heringsfischerei herstellte. Manchmal durfte sie als Kind zum Hafen mitfahren, eine faszinierende Welt aus Fischernetzen, Industriekränen und großen Schiffen. Michael Röpke hatte in den 1970er-Jahren sogar das Glück, dort direkt an der Schleuse zu wohnen. "Das war für uns ein großer Abenteuerspielplatz", sagt er. Nicht alle Spiele waren erlaubt, aber umso aufregender: auf die Erzwaggons springen oder im Kühlkanal schwimmen. Und zum Entsetzen seiner Mutter versuchte Michael auch immer wieder, verletzte Seevögel im Wohnzimmer aufzupäppeln. Seit seiner Kindheit ist Eilert Taddigs Friesensportler. Schon als Junge lernte er, wie man die Klootkugel im Winter möglichst weit über die gefrorenen Felder schleudert. Klootschießen nennt sich das und ist der Nationalsport der Ostfriesen.